Nachts spazieren gehen: Die Vor- und Nachteile (+Tipps)

Bei Instagram und Co. zeigen sich Reisende gerne im besten Sonnenschein – falls nicht genug Sonne vorhanden ist, lässt sich mit Photoshop sicherlich noch etwas richten. Dunkle Hintergründe sind eher bei Partybildern zu finden. Warum eigentlich? Gut, klar, Fotografieren ist bei Nacht anspruchsvoller. Aber liegt es vielleicht auch daran, dass wir nur sehr selten bei Nacht auf den Beinen sind?

Die folgende Pro- und Kontraliste soll zeigen, dass Spazieren bei Nacht für jeden auf der To-Do-List stehen könnte. Allerdings spreche ich hier aus Stadt-Erfahrung. Licht, Handyempfang und (wenige) andere Menschen sind also vorhanden.


Vor- und Nachteile


Pro: Stille

Bei Nacht verstummen viele der nervigen Geräusche des Alltags. Der Clou ist, dass viele Menschen überhaupt nicht wissen, wie vielen akustischen Reizen sie den ganzen Tag über ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist es, sich von Zeit zu Zeit aus dieser Umgebung herauszubewegen – oder eben zu einer Uhrzeit unterwegs zu sein, wenn die Geräusche auf ein Minimum reduziert sind.

Wer bei Nacht spazieren geht, der hört plötzlich, wie unterschiedlich vorbeifahrende Autos klingen. Er findet heraus, dass einige Vögel auch bei Nacht singen. Und er kann seine eigenen Schritte auf dem Asphalt wieder wahrnehmen.

Kontra: Keine Stille

Problematisch wird es, wenn die Stille von einem plötzlichen Geräusch unterbrochen wird. Alleine bei Nacht unterwegs zu sein, birgt sowohl reale als auch imaginäre Gefahren. Real werden sie, wenn man Menschen begegnet. Besonders (aber nicht ausschließlich) Frauen müssen bei einem nächtlichen Spaziergang auf ihre Sicherheit bedacht sein.

Der Spaziergang darf nicht auf Kosten der eigenen Unversehrtheit unternommen werden. In dunkle Gassen und Waldstücke sollte niemand alleine gehen. Denn selbst wenn es keine echte Bedrohung gibt, kann der nächtliche Schlendergang auch von der Angst verdorben werden. Mit schwachen Nerven wird jedes Knacken zu einem potentiellen Monster.


angst im dunkeln

Pro: Keine Hektik

Abgesehen von denen, die sich nachts auf dem Weg zur Arbeit machen oder nach Hause fahren, sind die Wandertouren bei Nacht eine hervorragende Möglichkeit, um sich Zeit zu nehmen. Wenn man dann noch das Smartphone leise stellt, dann gibt es keine Deadlines, keine Instagram-Stories und keine Aufregung.

Bei Nacht passiert alles etwas langsamer. Weniger Autos bedrohen die Fußgänger, weniger Fahrräder schießen an uns vorbei. Die öffentlichen Verkehrsmittel stehen still und Partys werden meist in geschlossene Räume verlegt.

Kontra: Keine öffentlichen Verkehrsmittel

Wer die Angewohnheit hat, seine kurzen Wandertouren exzessiv auszuweiten, der geht nachts ein hohes Risiko ein. Da spreche ich aus Erfahrung. Denn der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln bedeutet auch, dass jeder Schritt, der uns von der eigenen Wohnung entfernt, auch wieder zurückgegangen werden muss.

Nur kurz da vorne bis zur Ecke, ach, jetzt kann ich das Stück auch noch gehen, Bewegung ist gesund, huch, jetzt bin ich aber weit gegangen, vielleicht nur noch bis dort, verdammt, jetzt bin ich 5 Kilometer weiter gelaufen als geplant.

Pro: Katzen bei Nacht

Eines meiner persönlichen Highlights: Eine Katze bei Nacht entdecken und Harry Potter zitieren.

„Was für eine Überraschung, Sie hier zusehen, Professor McGonagall.“

Die kleinen Mäuse- und Fliegenfänger blühen nach Sonnenuntergang erst so richtig auf. Wer Glück hat, kann sie beobachten, ohne selbst entdeckt zu werden. Wie sie ihre Wege gehen, ganz sicher, denn das tun sie jede Nacht. Wie sie in der Dunkelheit verschwinden und grazil über den Asphalt schleichen. So sieht man Katzen bei Tag selten.


nachts gut sichtbar sein

Kontra: Betrunkene bei Nacht

So faszinierend und geheimnisvoll Katzen bei Nacht sind, so nervig und mitteilungsbedürftig können die Betrunkenen sein. Wer selbst feiert, der merkt oft nicht, wie anstrengend einzelne Ausreißer oder ganze Gruppen sein können.

Während Katzen ihre Pläne für sich behalten, müssen Betrunkene alles mit der Welt teilen. Zur Not auch den Mageninhalt. Einziger Vorteil: Man hört sie häufig schon lange vorher kommen und kann ihnen so aus dem Weg gehen.

Pro: Mitten auf der Straße laufen

Es hat einfach etwas Cinematisches und Besonderes, genau in der Mitte einer Straße zu laufen. Der Blick auf den Straßenverkehr, den Lärm und die Hektik des Alltags wandelt sich, wenn man realisiert, dass eine Straße auch einfach mal leer sein kann.

Ich halte gerne an und schaue mich um, wenn ich nachts unterwegs bin. Manchmal auch mitten auf der Straße – natürlich nur, wenn ich Autos schon von weitem sehen könnte. Einfach mal ausprobieren.

Kontra: Kälte

Nur im Hochsommer kann man barfuß und im Shirt durch die Nacht schlendern. Zu jeder anderen Jahreszeit ist es leider nachts zu kalt dafür. Wer also bei Sonnenuntergang losgeht, der sollte seine Jacke zumindest im Rucksack haben.

Pro: Einsamkeit

Alleine sein ist für Introvertierte nicht nur kein Problem, sondern oft ein wünschenswerter Zustand. Für diejenigen, die nicht in Spanien durch die Berge klettern können oder morgens um 6 Uhr in Kanada an einem See ankommen, ist der Gang durch die eigene Stadt eine gute Alternative.

Spanien und Kanada machen mir mehr Spaß, aber man muss mit dem Arbeiten, was man hat. Also warum nicht warten bis die Sonne untergeht, um etwas Ruhe und Frieden zu genießen?


Tipps


Erster Tipp: Lichtquellen immer dabei haben. Aber auch: In der Nähe großer Leuchter bleiben. Damit ist gemeint, dass eine Taschenlampe nicht denselben Effekt hat wie eine Straßenlaterne. Im Zweifel habt also mindestens eine Taschenlampe dabei (passt auch besser in die Jackentasche als eine Straßenlaterne).

Das Smartphone – das ironischerweise gleich Tipp Nummer 2 sein wird – reicht nicht unbedingt als Licht aus. Smartphones können versagen, Akkus können leer sein und vor allem: Wenn ihr das Smartphone für einen Anruf oder eine Nachricht braucht, wirbelt das Licht der Taschenlampen-App nur übermütig umher.

Zweiter Tipp: Smartphone (geladen) mitnehmen. Es ist verführerisch, wenn man abends in aller Ruhe den Tag ausklingen lassen möchte, das Smartphone einfach zu Hause zu lassen, um ungestört zu sein. Aber es gibt unzählige Dinge, die für euch zur Gefahr werden könnten und falls ihr kein 2 Meter großer Kampfsportler seid, dann solltet ihr den möglichen Hilferuf in Form eines kleinen technischen Geräts immer dabei haben.

Wenn man trotzdem nicht gestört werden will, kann man beispielsweise die mobile Datenverbindung ausstellen – da die meiste Kommunikation heute über das Internet funktioniert, sollten sich die Nachrichten und Anrufe gegen 0 richten. Falls es doch einen Notfall geben sollte, ist die Option einer SMS oder eines Anrufs aber noch vorhanden.

Dritter Tipp: Nimm einen Hund mit. Gemein, ich weiß, wenn man selbst gar keinen Hund hat. Aber es gibt genug Hundebesitzer, die nach einem langen Arbeitstag erleichtert über ein bisschen Unterstützung sind. Fragt über Bekannte und Verwandte nach, ob jemand in eurer Nähe froh darüber wäre, wenn der Hund abends noch mal länger Gassi gehen darf.

Auch über das Internet lassen sich so Hunde finden und vielleicht springt dann sogar noch ein kleiner Obolus heraus. Allerdings solltet ihr den Hund dann bitte entsprechend ausstatten: Leuchthalsband ist Pflicht.

Vierter Tipp: Den Ort weise wählen. So schön die Städte und Dörfer bei Nacht auch sind, es wird mich nicht in die „Ghettos“ verschlagen. Man muss sein Glück nicht herausfordern, indem man dort spazieren geht, wo ohnehin häufiger „etwas passiert“. Ein Pfefferspray in der Tasche kann auch nicht schaden.

Eigentlich sollte dieser letzte Tipp selbstverständlich sein, aber ich wollte ihn aufnehmen, damit auch endgültig klar ist, dass Spazieren bei Nacht nur eine gute Idee ist, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.


ich gehe gerne nachts spazieren

Ich gehe gerne nachts spazieren


Wenn ich dieselbe Strecke bei Tag und bei Nacht laufe, dann gefällt mir letzteres immer besser. Tagsüber lenke ich mich vom Trubel gerne mit Musik auf den Ohren ab, nachts genieße ich jeden Moment. Städte riechen anders, klingen anders und fühlen sich anders an, wenn die Menschen sich zurückziehen.


Eure Meinung ist gefragt. Klingt es für euch völlig absurd, nach Einbruch der Dunkelheit noch spazieren zu gehen? Oder überwiegen für euch die oberen Pro-Argumente und ihr plant schon, heute Abend wieder loszugehen?

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