9 introvertierte Prominente (Gates, Gore, Watson)

introvertierte persönlichkeiten

Manchmal kann man sich als Introvertierter in einer extrovertierten Welt ziemlich einsam fühlen. Abhilfe kann die Gewissheit schaffen, dass es anderen Menschen genauso geht wie uns.

Wer hier unterwegs ist, weiß bereits, dass es verdammt viele Introvertierte gibt, aber gelegentlich braucht man einfach diese kleine Bestätigung, dass die großen Fußstapfen der Welt auch nicht alle von Extrovertierten geformt wurden.

Hier kommt daher eine Auswahl an berühmten Introvertierten. Aufzählen könnte ich noch viel mehr – das überlasse ich aber anderen Seiten. Bei mir erfahrt ihr, warum diese Personen introvertiert sind und ob sie über ihre Introversion schon gesprochen haben.

Wie immer freue ich mich auf Feedback. Sagt mir in den Kommentaren oder bei Instagram welche Vorbilder ihr habt, die ebenfalls introvertiert sind.

Keanu Reeves ist introvertiert

Keanu Reeves ist gerade in aller Munde. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Es freut mich allerdings, denn Keanu (ob er böse wäre, wenn er wüsste, dass ich ihn beim Vornamen nenne?) ist ein hervorragendes Beispiel für einen Introvertierten, der in der Öffentlichkeit steht.

Kurzbio: Keanu Reeves ist ein kanadadischer Schauspieler (Baujahr 1964), der unter anderem für seine Rollen in John Wick, Matrix und Speed bekannt ist.

Er beschreibt sich selbst als nachdenklich und als jemand, der einen festen Freundeskreis hat. Spaß und Freude am Leben hat er, nur braucht er dafür nicht das Glamourleben eines Hollywood Stars.

Ihn in Interviews zu sehen ist angenehm, weil er ruhig spricht und gerne von anderen oder seinen eigenen Projekten erzählt, sich aber selbst nur selten oder gar nicht in den Mittelpunkt stellt. Das führt dazu, dass er in der Filmbranche heraussticht, indem er nicht herausstechen möchte.

Für soziale Interaktionen nimmt er sich gerne Zeit und wenn er Geschichten erzählt, geht er in ihnen vollständig auf. Das ist der berühmte Qualität vor Quantität Ansatz, den so viele von uns Introvertierten lieben.

Eleanor Roosevelt war introvertiert

Keine amerikanische First Lady war so lange im Amt wie Eleanor Roosevelt. Und kaum eine First Lady wird bis heute so bewundert wie sie.

Während ihr Ehemann Franklin D. Roosevelt als charismatisch und hervorragende Führungsfigur galt, zog Eleanor im Hintergrund die Fäden. Obwohl die beiden keine besonders liebevolle Ehe führten, ergänzten sie sich auf politischer Ebene.

Ihre aufmerksame Art und ihr sensibler Umgang mit den Problemen der „einfachen“ Bevölkerung sorgten dafür, dass sie ihren Ehemann immer wieder dazu brachte, die Gesamtsituation der amerikanischen Bevölkerung zu betrachten.

Nach seinem Tod im Jahr 1945 wurde Eleanor Roosevelt Delegierte für die Vereinten Nationen, engagierte sich für Menschenrechte und erreichte sehr viel mit ihrer beharrlichen Art und ihrem besonderen Blick auf die Welt.

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Rosa Parks war introvertiert

Die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks war eine extrem ruhige und zurückhaltende Frau. Was sie von der Masse abhebt ist, dass sie gleichzeitig extrem starke Überzeugungen hatte, für die sie einstand.

Als sie sich 1955 weigert, der Aufforderung des Busfahrers nachzukommen, sich ans Ende vom Bus zu setzen – wie es damals von farbigen Bürgern gefordert wurde – muss ihr das in vielerlei Hinsicht furchtbar unangenehm gewesen sein.

Ihre Zeitgenossen beschreiben sie als ruhigen Menschen, der gerne zuhörte und eher schüchtern war. Sie hielt keine großen Reden wie Martin Luther King. Doch sie war mindestens genauso von ihrer Sache überzeugt und stand für sie ein wie jeder, der in der Bürgerrechtsbewegung laut und bunt protestierte.

Am ehesten lässt sich ihre ruhige und introvertierte Art wohl damit beweisen, dass sie ihre Autobiographie Quiet Strength nannte, also Stille Stärke.

Mark Zuckerberg ist introvertiert

Über Facebook kann man gut streiten. Skandale um Datenschutz und Manipulation gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft. Mark Zuckerberg steht dabei als Gründer des Unternehmens immer wieder im Fokus.

Man kann ohne viel Rechercheaufwand feststellen, dass es Mark Zuckerberg bei der Entwicklung von Facebook nicht darum ging, sich selbst darzustellen. Seine Fähigkeiten, okay, die wollte er zeigen. Aber er ist nicht der charismatische Unternehmer, der über Bühnen hüpft oder extravagante Partys schmeißt.

Genau deshalb ist er so schwer zu fassen. Viele sehen ihn durch die Linse des Films The Social Network. Dort wird er als emotionsarmer Roboter dargestellt, der keine Zeit für andere hat, gerne über andere lästert und alles in allem ein riesiger Arsch ist.

Wusstet ihr aber, dass die Motivation im Film – seiner Ex-Freundin etwas zu beweisen, weil sie ihn abserviert hat – frei erfunden ist? Oder dass eine seiner ersten Ideen, die Studierenden von Havard nach Attraktivität zu ordnen, nicht nur Frauen, sondern auch Männer betraf? Nicht cool, aber trotzdem anders als im Film dargestellt.  Auch der beste Freund, der angeblich so rücksichtslos zurückgelassen wird (gespielt von Andrew Garfield) hat so nicht existiert.

Warum ich das erwähne? Weil man Mark Zuckerberg und Facebook für unglaublich viele Dinge kritisieren kann. Aber seine häufig zurückhaltende Art und seine Fähigkeit, sich intensiv in ein Projekt zu vertiefen, werden ihm im Kontext des Films und der öffentlichen Berichterstattung als negativ angekreidet.

Die häufigste Beschreibung, die man lesen kann, ist: Roboter.

Es ist so frustrierend, dass es seine Art ist, auf die sich die Menschen stürzen, wenn er inhaltlich mehr als genug Angriffsfläche bietet. Letztlich bleibt außerdem festzuhalten, dass er wohl einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Introvertierten aller Zeiten ist – und ein durchaus fühlendes Wesen.

Albert Einstein war introvertiert

Gut, was soll man zu Albert Einstein noch groß schreiben. Er hat zu jedem Zeitpunkt seines Lebens die Macht der Phantasie und der eigenen Gedanken betont – wer sich Zeit für sich nimmt, kann Großes erreichen.

Besonders gut finde ich das folgende Bild, weil Einstein so aussieht, wie ich mich fühle, wenn ich Menschen die Hände schütteln muss.

albert einstein introvertiert

Al Gore ist introvertiert

Während heutzutage jeder über Klimawandel spricht – einige warnen davor, andere behaupten, es gäbe ihn nicht – war Al Gore bereits zu Beginn des 21. Jahrhundert (und Ende des 20.) voll dabei, uns überzeugen zu wollen.

Darauf beruhte unter anderem seine Präsidentschaftskandidatur. Seine nicht erfolgreiche Kandidatur. Woran lag es?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Al Gore es nicht zum Präsidenten geschafft hat. Zum Beispiel das absurde amerikanische Wahlsystem. Doch für diesen Beitrag ist vor allem wichtig, dass Al Gore introvertiert ist.

Heute treiben wir die Verehrung von Selbstdarstellern auf eine neue Spitze, doch auch schon damals war George Bushs Art für viele Menschen eher mit Erfolg und Führungsqualität verbunden als die ruhige Art von Al Gore.

Gore glaubte an seine Inhalte und seine Überzeugungen – Bush wusste, wie man laut ist und dreckig kämpft. Am Ende könnte das den Unterschied gemacht haben.

Al Gore ist uns natürlich nicht verloren gegangen, er nutzt seinen Einfluss und seine überlegten Aktionen noch immer für das Gute. Es bleibt die Frage, ob es für Introvertierte weniger und weniger Platz im Scheinwerferlicht gibt – auch, weil wir auf das Scheinwerferlicht verzichten würden, solange wir weiter Einfluss nehmen können.

Barack Obama ist introvertiert

Als hätte die amerikanische Bevölkerung endlich eingesehen, dass laut und schrill nicht für besser und erfolgreich steht, beschloss sie nach 8 Jahren unter Bush einen Wechsel vorzunehmen: Zum introvertierten Barack Obama.

Man würde bei Obama nicht unbedingt denken: Wow, was für ein Paradebeispiel für Introvertiertheit. Trotzdem gehört er gerade deshalb auf diese Liste.

Er arbeitet gerne für sich, möchte Themen bis zum Ende verstehen und muss sich nicht aufspielen, um Eindruck zu hinterlassen. Selbst viele der Menschen, die mit seiner politischen Ausrichtung nicht konform gehen, geben zu, dass er qualifiziert wirkt und weiß, wovon er spricht.

Heutzutage ist das zwar nichts mehr wert – immerhin hat der aktuelle Präsident der USA Probleme damit, Mond und Mars zu unterscheiden und hat in seinem ganzen Leben noch nicht einen Tag körperlich arbeiten müssen -, aber damals wie heute inspiriert Obama mit seiner Art junge Idealisten.

Außerdem ist er ein Beispiel für Introvertierte, die sich in ein extrovertiertes System begeben und damit Erfolg haben. Allerdings kennen wir wohl alle die Bilder von ihm bei seiner Amtseinführung und dann 8 Jahre später – die Zeit hat ihn gezeichnet.

Der Stress, dem Introvertierte in extrovertierten Positionen ausgesetzt sind, ist noch viel höher als nur der Alltagsstress, mit dem ohnehin alle zu kämpfen haben. Herr Obama wird wohl eher selten die Möglichkeit gehabt haben, sich in seine Regenerationsnischen zurückzuziehen oder seinen Tag zu strukturieren – dafür wollten einfach zu viele Menschen etwas von ihm haben oder wissen.

Bill Gates ist introvertiert

Im Vergleich zu Mark Zuckerberg, der das andere Milliardär-Beispiel in dieser Liste ist, ist Bill Gates‘ Ruf deutlich besser. Das liegt unter anderem daran, dass er viel Geld für wohltätige Zwecke spendet. (Und vielleicht liegt es auch daran, dass sein Erfolg in einer Zeit entstand, in der noch nicht jedes Detail in aller Öffentlichkeit/im Internet präsentiert und diskutiert wurde.)

Als Kind hat er gerne an Technik herumgebastelt – was für gewöhnlich keine besonders gesellige Form der Freizeitbeschäftigung ist. Hätte ihn damals jemand gezwungen, jeden Tag unterwegs zu sein oder „mehr aus sich herauszugehen“, dann hätte er es wohl nicht bis zum Status des reichsten Mannes der Welt gebracht.

Wichtig: Einsam war er deshalb nicht. Ihm reichten aber die wenigen Freunde, mit denen er sich in Projekte verbeißen konnte. Qualität vor Quantität, auch bei Bill Gates.

bill gates introvertiert

Emma Watson ist introvertiert

Viele der Beispiele in dieser Liste sind auch in Susan Cains Buch über Introvertierte zu finden. Falls ihr mehr wissen wollt, folgt dem Link: Still – Die Kraft der Introvertierten. 

Emma Watson wird darin zwar noch nicht erwähnt, sie hat selbst in einem Interview allerdings zugegeben, das Buch gelesen und viel über sich selbst gelernt zu haben. Ihr Status als Kinderstar ohne größere Extravaganzen kommt einfach daher, dass sie introvertiert ist.

In einem Interview von 2013, in dem sie auch Susan Cain erwähnt, lässt sich ihre Introversion sehr gut nachvollziehen: Emma Watson Interview über Introversion

Introvertierte Persönlichkeiten

Hoffentlich konnte diese Liste dem ein oder anderen helfen, der daran zweifelt, ob man mit einem introvertierten Charakter auch erfolgreich sein kann. Neben dem Erfolg stehen diese Menschen auch noch zusätzlich im Rampenlicht – und gehen ganz unterschiedlich damit um.

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