Der unfaire Vorteil eines Autors bei Seminararbeiten

Wenn ich meine Prüfungsordnung korrekt lese, dann werde ich in meinem Masterstudium ausschließlich Hausarbeiten schreiben. Auf mein hausarbeitenlastiges Studium habe ich bisher zwei Reaktionen bekommen:

1. Geil. Auswendiglernen ist doch doof.
2. Oh nein, das tut mir so leid. Das könnte ich ja nicht. Ich hasse Hausarbeiten.

Warum man Klausuren bevorzugen sollte, ist mir ein Rätsel. Da sollte ich dann allerdings mein Privileg checken (sorry, die englische Formulierung klingt irgendwie professioneller). Da ich schon seit über zehn Jahren regelmäßig Texte in allen Formen schreibe, habe ich natürlich mit dem Schreibaspekt einer Hausarbeit kein Problem.

Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass meine guten bis sehr guten Ergebnisse in Hausarbeiten Folge eben dieser Erfahrungen sind. Einen einfachen Sachverhalt in eine Metapher packen und somit eine halbe Seite füllen? Kein Problem. Einen komplizierten Sachverhalt so verkürzen, dass die eigene Unfähigkeit verdeckt wird? Erledigt! Einleitung und Schluss miteinander verbinden, so dass ein geschlossenes Bild entsteht? Nichts leichter als das.

In der Vergangenheit fiel mir häufiger auf, dass ich an den Formulierungen und der Gestaltung einer Hausarbeit mehr Interesse hatte als am tatsächlichen Inhalt. Und damit bin ich durchgekommen! Ein Prof liest bis zu 30 Hausarbeiten für ein Seminar, natürlich bleibt ein positiver Eindruck zurück, wenn der Text leserlich und rund ist. Wahrscheinlich widersprechen mir einige Lehrende jetzt (haha, als wenn ich genug Leser hätte, um eine ganze Berufsgruppe anzusprechen), aber Inhalt ist eben nicht alles.

Meine Empfehlung an alle, die ein Problem mit Hausarbeiten haben: Sprecht mit jemandem, der in seiner Freizeit schreibt. Ihr streichelt sein oder ihr Ego schon mit der simplen Frage danach, ob er oder sie einmal über den Text drüber lesen könnte oder ein paar Tipps hat. Das können auch Leute sein, die etwas völlig anderes oder gar nicht studieren. Kümmert euch erst einmal um den Inhalt und dann um die Form.

Ihr merkt schon, der Umkehrschluss wäre für mich, jemanden zu finden, der den Inhalt überarbeitet. Gar nicht so leicht zu bewerkstelligen, wenn man Hausarbeiten („Die Sie nicht erst eine Woche vorher anfangen können!“) drei Tage vor Abgabe beginnt („Wetten, dass…?“).

– Vitani S.

Kommentare

  1. Alexandra Wendt

    Hallo Vitani,
    ich habe immer auch viel Arbeit in den Inhalt gesteckt (für eine Arbeit brauchte ich im Durchschnitt 4 Wochen inkl. Bücher lesen und Recherchearbeit), aber die Form ist wirklich nicht zu verachten! Oft helfen ein paar kleine Tricks, um seine Gedanken besser zum Ausdruck bringen zu können. Ich habe schon so oft Texte gelesen, die das, was der Autor sagen wollte, nicht transportieren konnten…
    Liebe Grüße, Alex

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