Das Kanadazit Part 1

Zunächst einmal, ja, ich habe Kanada und Fazit zusammengeschweißt. Dafür könnt ihr mich jetzt enttäuscht angucken und den Kopf schütteln, aber hey, immerhin kommt dieses doofe Kanadazit endlich! Ich habe jetzt mein (lächerlich löchriges) Tagebuch neben mir liegen, also erzähle ich hier vielleicht auch die ein oder andere Sache, die mir im echten Leben entfallen ist.

Mein Flug ging von Berlin Tegel über Amsterdam nach Vancouver. Das dauerte über 12 Stunden, was egal war, weil es nach Kanada ging und das so verdammt cool war und ist. Meine erste Unterkunft war überteuert, hatte aber ein eigenes Bad und lag direkt am Campus der University of British Columbia. In meinem Tagebuch steht für den ersten Tag: Verlaufen/bei rot stehen hier nur doofe Deutsche an der Ampel/hundemüde/Kabel für Handy vergessen-huch.

Am zweiten Tag habe ich mich weiterhin miserabel orientiert und bin daher 22 Kilometer zu Fuß nach Downtown Vancouver gelaufen. Immerhin konnte ich etwas von der Stadt sehen, feststellen, dass Kanadier wirklich nett sind; riechen, dass Gras (kein Synonym für Rasen) in British Columbia geduldet wird; und habe Häschen und Eichhörnchen gesehen – etwas, was meine Stimmung meist hebt.

Außerdem habe ich mir noch ein paar filming locations rund um den Campus angeschaut (Altered Carbon, She’s the man) und mir vorgenommen noch mal zum Riverview Hospital zu fahren, wenn ich es schaffe. Spoiler-Alarm: Habe ich! Damit springe ich jetzt zwar zum Ende der Reise, aber hier ein paar Fotos von dem zerfallenen Krankenhaus, das mal ein Irrenhaus war und bei dem man keine Fotos machen darf, was die aber vergessen können, wenn die dort Serien wie Riverdale oder Supernatural und Filme wie Deadpool 2 drehen!

Ryan Reynolds not found

Als meine Cousine in Vancouver ankam, konnten wir endlich das Auto holen und sind raus aus der Stadt. Natürlich bei strömenden Regen und mit verdammt vielen Kilometern vor der Nase. In Clearwater (BC) haben wir zwei Nächte übernachtet und wurden hemmungslos von Mücken attackiert. Ein Spaziergang zu einer Quelle hätte uns auch das Leben kosten können, wenn wir nur eine Sekunde stehen geblieben wären. Es. War. Die. Hölle.

Aber: Obwohl wir auch in den nächsten Wochen ständig Mücken um uns hatten, wurde es nie wieder so schlimm wie dort. „Nicht so schlimm wie Clearwater“ wurde also unser Mantra.

Belohnt wurden wir allerdings auch. Die Helmcken Falls sind umwerfend. 141m fällt das Wasser in die Tiefe und höhlt eine Höhle aus („Hallo, ja, ich formuliere wie ein Zweitklässler, wie kann ich Ihnen helfen?“), um dann bis sonstewo in ein Tal zu fließen. Anschließend noch die Spahat Falls, die auch cool waren, aber an die Helmcken Falls doch nicht rankommen. An dieser Stelle wieder ein Zeitsprung: Athabasca Falls, Sunwapta Falls, Takakkaw Falls und mehr haben meinen Durst nach Wasserfällen  vorerst gestillt.

Als wir weiterfuhren und Jasper (Bundesstaat: Alberta) erreichten, lag alles im Nebel. Jasper ist ein kleines Örtchen im Jasper National Park und wir hatten drei Tage lang Regen und Nebel – etwas, was es laut Locals nicht gibt. Das passiert einfach nicht. Das Wetter sei unbeständig, aber nie länger als einen Tag gleich. Yay, go us! Wir übernachteten bei einer Freundin und versuchten das Beste daraus zu machen. Als wir auf den Signal Mountain stiegen, war noch alles verdeckt und wir sahen nichts als Wald und Nebel. Während wir oben waren und uns wie kleine Kinder über Murmeltiere freuten, klarte es auf und der Rückweg hätte aus einer ganz anderen Welt stammen können. Wir wussten nicht einmal, dass Jasper wirklich von allen Seiten von Bergen umgeben war! Wir haben geguckt als hätte man uns Kindern die Nasen geklaut. Hexerei!

In Jasper haben wir viele coole Leute getroffen, viele, die dort lebten, einige, die nur Work & Travel machten. Angenehm war, dass es bisher wenig Deutsche gab. Das sollte sich noch ändern.

In den nächsten Tagen haben wir viel gesehen, Parker’s Ridge und die Bald Hills waren absolute Highlights. Da ich jedoch ein Flachlandmensch bin, hätte ich es wohl etwas langsamer angehen lassen sollen. Für diese geilen Aussichten musste ich wenig später mit Knieschmerzen bezahlen, die noch bis Deutschland anhalten sollten.

Als nächstes übernachteten wir auf dem Campground Castle Mountain. Dort stahl ein Bär unser Essen – „Ihr wart so blöd und habt euer Essen alleine gelassen? Man ihr seid wirklich nicht schlau, oder?“ Tja, lieber Leser, tatsächlich haben wir es nicht alleine gelassen. Meine Cousine ist auf Toilette gewesen, während ich Tagebuch schrieb und von den Mücken geärgert wurde, also bin ich in das drei Meter entfernte Auto gegangen. Als ich aufschaute saß der Bär an unserem Tisch!

An dieser Stelle darf sich jeder mal fragen, was er oder sie als nächstes getan hätte. Ich entschied mich dazu, völlig perplex zu sein und ein garantiert oscarreifes Dummdödel-Gesicht zu machen. Für 2 Sekunden. Dann bin ich auf den Fahrersitz gesprungen, habe das Beweisfoto und ein sehr kurzes Video gemacht und das Auto gestartet. Krach machen!

(Warum? Weil Bären, die zu nahe ans Camp kommen, erschossen werden. Außerdem machte er sich auch am Müll zu schaffen. Jeder, der jetzt denkt, ich hätte es einfach genießen sollen und den Bären am besten noch füttern sollen, ist ein Idiot und sollte niemals nach Kanada fahren).

Hupen, Gasgeben und mit den Armen wedeln hat nichts gebracht. Meine Cousine ließ sich unendlich Zeit und ich wusste nicht so recht, was ich machen soll. Also die letzte Möglichkeit: Die Bärenglocke, über die alle gelacht hatten, als meine beste Freundin sie mir wenige Wochen zuvor zum Geburtstag geschenkt hatte. Blick zum Bär, ab zum Kofferraum, Blick zum Bär, Kofferraum auf, Blick zum Bär, Koffer auf, Blick zum Bär, Glocke rausholen, Blick zum Bär, Kofferraum zu, Blick zum Bär, zurück zur offenen Fahrertür und dahinter verstecken, Glöckchen läuten. Das war ihm dann zu laut. Diese doofe Glocke, die laut Park Rangern nicht funktioniert, verscheuchte diesen kleinen Bären.

Ein Bär

Ich wünsche dem Bären alles Gute, denn wenn er tagsüber so unbehelligt an Menschenfutter herantritt, dann stehen seine Chancen schlecht. Vielleicht hat er aber auch Glück und die meisten denken so wie die Frau, die ein paar Meter von uns entfernt campte, den Bären weglaufen sah und entsetzt sagte: „Was that a bear? I thought it was your dog!“

Ende Part 1

– Vitani S.

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1 Antwort

  1. 31. August 2018

    […] (Teil 1 findet Ihr hier) […]

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