Aktuelles Leseerlebnis: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Nur ein kurzer Beitrag, denn noch habe ich das Buch nicht durchgelesen. Doch wann immer ich es öffne (ja, ich lese es über meinen Kindle), fasziniert es mich aufs Neue. Man kann drei Kapitel am Stück oder nur eines pro Tag lesen, die Gedanken werden so oder so in Gang gesetzt.

Autor: Yuval Noah Harari
Verlag: Pantheon
Auszug aus der Buchschreibung: „Vor 100 000 Jahren war Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen./ Wie haben wir, Homo Sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder, betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht?“

Meinung: Obwohl der Schreibstil verständlich und hier und da mit Witz verziert ist, hat man bei Harari das Gefühl, in den Händen eines fähigen Wissenschaftlers zu sein. Allerdings darf man das von einem promovierten Professor aus Oxford auch erwarten. Immer wieder bringt er den Leser dazu, bunt zu denken. Bunt? Gemeint ist, er beschreibt evolutionäre oder kulturelle Prozesse, ohne die wir heute nicht die wären, die wir sind. Gleichzeitig zeigt er uns jedoch, dass die Folgen nicht nur positiv sind. Dabei spielt er nicht den Moralapostel, er lässt den Leser eigene Schlüsse ziehen. Was bedeutet zum Beispiel „natürlich“? Immer wieder benutzen Menschen heutzutage das Wort „unnatürlich“, um ihre Abneigung auszudrücken, wenn sie eigentlich „kulturell missachtet“ meinen. Es täte uns allen gut, diese Unterscheidung zu begreifen.

Wie gesagt, noch bin ich mitten drin. Aber das sollte mich nicht davon abhalten, das Buch zu empfehlen. Bei Belletristik wäre ich vorsichtiger, weil ein schlechtes Finale das Gesamtwerk schmälern kann. Aber bei Harari mache ich mir da überhaupt keine Sorgen, denn er zwingt mir Geschichte nicht auf, er erklärt sie nur.

Kommentar verfassen