72 Stunden Pause: Ein Millennial ohne mobiles Internet

Hier eine Empfehlung an alle, die bereits im schnellen Zeitalter gefangen sind: Schaltet mal ab. Ich habe es ausprobiert, gerade mal für 72 Stunden, und werde es garantiert wieder tun.

Von Mittwoch um 17.30 bis Samstag um 17.30 habe ich die mobilen Daten meines Handys ausgestellt. Auch die W-LAN Funktion war deaktiviert. Ich hatte es trotzdem bei mir und habe per- aufgepasst!- SMS geringfügig kommuniziert.

Was macht so eine Pause mit einem Menschen? Naja, mich hat sie zum Nachdenken gebracht. Denn wie oft greifen wir am Tag zu unserem Handy? Um Nachrichten zu checken, um Facebook zu checken, um Fahrpläne aufzurufen, um Zeit zu vertrödeln, um lächerliche Mitteilungen zu machen. Zu oft.

Es ging mir nicht darum, im Urlaub mal abzuschalten. Ich hatte einen ganz normalen Alltag- inklusive Pendeln am Donnerstag als Friederike Deutschland im Würgegriff hielt. Zum Glück lief für mich alles glatt (oder nicht-glatt), doch sicher war ich mir nie, denn ich konnte ja nicht einfach googeln.

Was beobachtet man? Zum einen sieht man, wie viele Menschen ihre Haltung zerstören, indem sie permanent auf den kleinen Bildschirm starren. Ganz besonders an Bahnhöfen. Der Papst persönlich könnte an den meisten vorbeilaufen und sie würden es gleichzeitig bei Twitter aber nicht vor ihrer Nase sehen. Das passiert mir auch von Zeit zu Zeit, allerdings schätze ich meine Tollpatschigkeit realistisch genug ein, um im Straßenverkehr und in Menschenmassen das Handy aus der Hand zu legen.

Ich selbst habe vor allem gemerkt, wie automatisch man zum Handy greift. Morgens nach dem Weckerklingeln, in der Bahn, in der Uni, wenn man Langeweile hat, wenn man ein süßes Foto von der Katze macht. Das raubt unglaublich viel Zeit. Klar, es ermöglicht auch mit Freunden in Kontakt zu sein, die hunderte Kilometer entfernt leben- aber wie oft sind es Belanglosigkeiten, die wir mit dem kleinen Gerät anstellen?

Vieles kann warten. Alles, was nicht als Notfall zu bezeichnen wäre, kann warten. Und wenn ihr drei Stunden später noch daran denkt, dann ist es vielleicht wichtig genug, um es bei Facebook, Twitter oder Whatsapp zu verbreiten. Ansonsten sind es oft leere Hülsen, die man in die Welt wirft, die aber Zeit kosten, die man sinnvoller investieren könnte- in Gespräche, Beobachtungen oder ein Buch.

Ich werde häufiger das Internet ausstellen. Denn einfach nicht raufgucken, das geht auch nicht. Das macht zu neugierig. Also wirklich Pause. Und wenn es nur für einen Tag ist oder vielleicht auch mal für eine ganze Woche- ich weiß jetzt, dass es super funktioniert. Man gewinnt Zeit und Perspektive. Außerdem stellt man fest, wie abhängig man längst geworden ist.

– Vitani S.

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